----------------------------------------------------------------------
C.L.B. Christlicher Lebenshilfe Bund e.V.
Postanschrift:
Postfach 110528
86030 Augsburg
Hausanschrift:
Barfüßerstr. 5
86150 Augsburg
Tel: 0821 152000 und 3492035 (AB)
Mobil: 0171 6422902
Fax: 0821 152000
Email: dialog@clb-ev.org
Web: www.clb-ev.org
----------------------------------------------------------------------
WORTE DES LEBENS für Februar 2007 (Textversion)
* Seite 1.
Das Grösste Gebot, Mt 22,34 - 40
WARUM GEHÖRT DIESES GESPRÄCH ZU DEN »STREITGESPRÄCHEN«? WEIL ES DIE FRAGE NACH DEM BEKENNTNIS JESU ZUM GESETZ ENTHÄLT. ES ZEIGT SICH, DASS JESUS ISRAELS BEKENNTNIS TEILTE. SEINE GESETZESTREUE IST SO UNZWEIFELHAFT, DASS AUCH HIER DER VERSUCH FEHLSCHLÄGT, IHN ZUM IRRLEHRER ZU STEMPELN.
** Zum besseren Verständnis fangen wir an mit:
Mt 22,34: »Als aber die Pharisäer hörten, dass er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, kamen sie zusammen.«
Demnach waren »die Pharisäer« dem Gespräch mit »den Sadduzäern« ferngeblieben – verständlich, weil sie ja die sadduzäische Meinung über die Auferstehung ebenfalls als Irrlehre ansahen. Offenbar zollten sie Jesus an diesem Punkt sogar Beifall (Mk 12,28; Lk 20,39). Doch nun »kamen sie zusammen«, und zwar mit der Absicht, Jesus doch noch eine falsche Lehre nachzuweisen (V. 35ff.). Evtl. war auch dieses Gespräch im Tempel.
Mt 22,35-36: »(35) Und einer von ihnen, ein Gesetzeskundiger, fragte in der Absicht, ihn zu verführen: (36) Lehrer, welches Gebot ist das größte im Gesetz?«
Der Fragesteller heißt bei Matthäus »ein Gesetzeskundiger«. Das ist noch etwas genauer als »Schriftgelehrter« (vgl. Mk 12,28). Man wird sich unter dem »Gesetzeskundigen« einen her-vorragenden Rabbinen vorstellen dürfen, einen führenden »Theologen«, und weniger einen Mann der Praxis und der »Kirchenpolitik«. Aber seine hohe Intelligenz und Gesetzeskunde treten in einen niedrigen Dienst. Auch er kommt, um Jesus »zu verführen«. D.h. er will Jesus straucheln lassen, so dass man ihm endlich doch noch eine Irrlehre nachweisen kann. Wie oft schon sind hohe Intelligenz und wunderbares Wissen in egoistische, böse, ja sogar satanische Dienste getreten! Die Geschichte der Erfindungen gleicht gelegentlich einer Geschichte der Versuchungen. Und auch hochbegabte Theologen haben mit aller Raffinesse Sünden zugedeckt oder andere verführt. Beispiele dafür sind Simon Magus aus Apg 8,9ff. oder Markion, der im 2. Jh. die Bibel verfälschte, um sie seiner Theologie anzupassen.
Die Frage »Welches Gebot ist das größte im Gesetz?«, trieb das Judentum um.
Man versuchte, die 613 Gebote des AT zu ordnen. Natürlich nicht, um kleinere Gebote aus-zuschalten, sondern um eine Zusammenfassung zu erhalten. Wohin zielt jetzt der pharisäische Theologe?
Dachte er, Jesus könnte wie in Mt 9,13 oder Mt 12,7 mit Hosea 6,6 antworten und dabei Israels Glaubensbekenntnis übergehen? Oder dachte er speziell an die Sabbatentscheidungen Jesu und eine Antwort entsprechend Mt 12,8, wo Jesus gesagt hatte: »Der Menschensohn ist ein Herr des Sabbats«? Erwartete er jetzt die Antwort: »Der Menschensohn ist ein Herr des Gesetzes«? Wir wissen es nicht. Nur eines wissen wir: dass sich auch in dieser Stunde die Prophetie von Ps 2,2 erfüllt: »Die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten« (vgl. Apg 4,25ff.).
<O><O><O><O>
* Seite 2.
** Mt 22,37-40: »(37) Er aber sagte zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. (38) Das ist das größte und erste Gebot. (39) Als zweites ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (40) In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.«
Sehr wahrscheinlich kannte Jesus die »Absicht, ihn zu verführen« (V. 35). Dennoch gibt er wie immer eine ernsthafte Antwort. Sie besteht zunächst im Hinweis auf das Gebot, das am innigsten mit dem Glaubensbekenntnis Israels verbunden ist: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken«. Täglich wurde dieses Gebot von den Priestern im Tempel rezitiert. Zweimal am Tage haben es die Juden mit dem »Schema« (Glaubensbekenntnis, 5. Mose 6,4-9; 5. Mose 11,13-21; 4. Mose 15,37-41) gesprochen.
Viele Märtyrer sprachen es bei der Hinrichtung. Am bekanntesten ist das Beispiel des berühmten Rabbi Akiba im Jahre 133 n. Chr. Von der Hinrichtung Akibas durch die Römer berichtet der Talmud: »In der Stunde, da sie Rabbi Akiba zur Hinrichtung hinausführten, war es Zeit, das Höre Israel (5. Mose 6,4ff.) zu bekennen. Als sie sein Fleisch mit Kämmen aus Eisen kämmten... sagte er zu ihnen (seinen Schülern): Alle Tage meines Lebens habe ich mich über diesen Vers gegrämt: Mit deiner ganzen Seele - sogar, wenn er deinen Odem wegnimmt. Ich sagte mir: Wann wird es mir zuteil werden, dass ich es erfüllen kann? Und jetzt, da es mir zuteil wird, soll ich es nicht erfüllen?« Wenn Jesus feststellt:
»Das ist das größte und erste Gebot«, dann stimmt er mit den Pharisäern überein. Die Liebe zu Gott ist in der Tat das größte Gebot im Gesetz. Aus der Liebe zu Gott ergeben sich dann die anderen Gebote. Derselbe Tatbestand spiegelt sich in der Anordnung der Zehn Gebote, deren erstes von dem einen Gott spricht und dann aussagt: »Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.« Beim Vergleich von Mt 22,37 mit 5. Mose 6,5 stößt man auf eine weitere interessante Beobachtung: Statt der Wendung »mit aller deiner Kraft« in 5. Mose 6,5 benutzt Jesus die Wendung »mit deinem ganzen Denken«. Offenbar deutet Jesus die »Kraft« in 5.Mose 6,5 als die Macht der Willensenergie und des zielbewussten »Denkens«. Die Energie eines Menschen schlägt sich ja in seinem Denken nieder. Ob Jesus diese Konkretisierung bewusst im Blick auf sein Gegenüber vorgenommen hat? Will er ihm damit sagen, dass er mit seinem Denken Gott ehren solle, statt es zur Verführung einzusetzen? Oder bestätigt Jesus hier eine rabbinische Deutung, die wir aus Lk 10,27 kennen (vgl. Mk 12,30)?
Schon früher konnten wir beobachten, wie wichtig 3. Mose 19,18 für Jesus war (Mt 5,43; vgl. Joh 13,34; Joh 15,12ff.). Er sah darin die Zusammenfassung der zweiten Tafel des Mose. Auch hier legt er neben 5. Mose 6,5; 2. Mose 20,2ff. auf 3. Mose 19,18 größten Wert. Man muss aber genau beachten, was er sagt: »Als zweites (Gebot) ist ihm gleich...« Das erste Gebot wird keineswegs entthront oder in die Nächstenliebe eingeebnet, wie es der Modernismus behauptet. Umgekehrt: Die Nächstenliebe wird geadelt, indem sie »gleiches« Gewicht für das Tun des Jüngers erhält. Zwar bleibt die Gottesliebe »das größte und erste Gebot«! Das darf nicht umgestoßen werden. Aber Gottesliebe ohne Nächstenliebe wird unecht. So bindet Jesus in einzigartiger Weise Glaube und Werke zusammen. Jakobus ist völlig im Recht, wenn er ausführt: »Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist tot in sich selbst« (Jak 2,17; vgl. Jak 2,8).
Was bedeutet aber der Ausdruck: »In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten«? Das Wort für hängen« steht auch für das »aufhängen« am Kreuz (Lk 23,39; Apg 5,30; Gal 3,13). Mit »hängen« wird also die Tatsache bezeichnet, dass sich an diesen beiden Geboten alles aufhängen lässt, was »das ganze Gesetz und die Propheten« gebieten, d. h. das AT insgesamt (vgl. Mt 7,12; Röm 13,9ff.; Gal 5,14).
Noch einmal: Das Liebesgebot ersetzt nicht die anderen Gebote, sondern fasst sie zusammen und trägt sie keimhaft in sich.
Im Evangelium nach Matthäus hören wir von keiner Reaktion seitens des »Gesetzes-kundigen« oder der Pharisäer. Nur Mk 12,32ff. berichtet, dass sie Jesus zustimmen mussten. Auch dieses Streitgespräch endet mit dem Ergebnis: Jesus ist kein Irrlehrer. Er legt vielmehr das AT völlig angemessen aus.
<O><O><O><O>
* Seite 3.
Die nächsten WDL Themen
00. Röm 8,9 u. 10 – WDL Jan 2007
01. Mt 22,36 - 40 – WDL Feb 2007
02. 2Mo 32.32
03. Röm 9,1 - 5
04. Mt 5,44
05. Joh 13,34
06. Joh 15,13
07. 1Jh 3,16
08. Röm 12,1 - 2
09. Mt 26,26 - 28
10. Gal 5,6
11. Offb 2,4 - 5
12. Mt 7,7 - 8
<O><O><O><O> AMEN!